Eine weitere tödliche Facette zur Thematik „Vogelschlag“

Vogelschlag gegen Spiegel im Freien | Foto: Berg-und-Naturwacht.org

Unter dem Begriff Vogelschlag werden alle Ereignisse bezeichnet, bei denen Vögel auf Hindernisse prallen, die meistens für die Tiere tödlich enden. Jetzt einmal abgesehen von der Kollision zwischen Flugzeugen und Vögel sind jene Fälle als allgemein bekannt anzusehen, bei denen Vögel gegen Glasscheiben fliegen und sich dabei einen Genickbruch zuziehen. Um diesen Todesfallen entgegenzuwirken, die jährlich Millionen von Tieren das Leben kosten, ist man vor geraumer Zeit dazu übergangen Glasflächen im Freien mit Silhouttenbildern von Greifvögeln zu versehen.

In einem zurückliegenden Interview¹ gab Vogelexperte Julian Heiermann an, daß diese Beklebungen zwar gut gemeint wären, real allerdings kein wirksames Mittel gegen den Unfalltod von Vögeln wären. Bei der Annäherung der Vögel an solch beklebte Scheiben, würden sie die Pickerl zwar als Hindernis wahrnehmen, allerdings nicht großräumig ausweichen, weil sie einen natürlichen Feind darin erkennen würden. Die Vögel würden durch die Einschläge unmittelbar neben den Aufklebern ums Leben kommen, wie Studien zeigen.

Genickbruch der Klappergrasmücke nach Kollision mit einem Spiegel | Foto: Berg-und-Naturwacht.orgEin uns überraschendes Szenario

Aus eigener Wahrnehmung müssen wir nun dem Vogelschlag gegen Glasscheiben auch solchen gegen Spiegel hinzufügen. Wir waren tatsächlich überrascht als wir in einem Freizeitzentrum, das mit einer begrünten Einfriedung versehen ist, an der sich ein nur 60x40cm großer Spiegel befindet, die Spuren des Anpralls sahen und am Boden liegend einen toten Vogel vorfanden. Dabei handelte es sich mit größter anzunehmender Wahrscheinlichkeit um eine Klappergrasmücke (wissenschaftlicher Name: Sylvia curruca), auch Zaungrasmücke genannt. Die Klappergrasmücke hatte sich bei dem Anprall einen Genickbruch zugezogen.

Spuren des Vogelschlags gegen den Spiegel | Foto: Berg-und-Naturwacht.orgDie Spuren des Anpralls auf dem Spiegel

Nachdem Vögel ein anderes Lichtspektrum als Menschen wahrnehmen, werden Glas- und Spiegelflächen für sie nur dann als Hindernis wahrgenommen, wenn sie ultraviolettes Licht reflektieren. In einigen Bauwerken wird gegenwärtig schon ein solches spezielles Vogelschutzglas verbaut. Weil dieses Spezialglas allerdings wesentlich teurer ist als herkömmliches Glas, stellen damit ausgestattete Bauten noch die Minderheit dar.

tödlicher Anprall eines Vogels gegen einen Spiegel | Foto: Berg-und-Naturwacht.orgDer Spiegel wurde für die Klappergrasmücke das „Fenster“ in den Tod

Abgesehen von Vogelschutzglas bieten zwei Möglichkeiten Schutz den Todesfallen von Glas- und Spiegelflächen entgegenzuwirken:

1.) entweder die Bemalung mit speziellen Stiften (Vogelschutzstifte) die eine klare Flüssigkeit enthalten, die für das menschliche Auge unsichtbar ist, jedoch das UV-Licht für Vögel reflektiert und somit das Hindernis sichtbar macht oder

2.) auf „Hochglanzreinigung“ der Flächen zu verzichten. Wenn Glas- oder Spiegelflächen nicht so sauber gemacht werden, können sie von den Vögeln leichter als Hindernis wahrgenommen werden.

Klappergrasmücke - Sylvia curruca | Foto: Berg-und-Naturwacht.org

¹ Quelle